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Weinstrategie - Weinwirtschaft in Wissenschaft und Forschung

Forschungsprojekte

Betriebswirtschaftliches Denken bestimmt auch in der produktorientierten Weinwirtschaft zunehmend das unternehmerische Handeln. Viele Sachverhalte sind jedoch noch unzureichend erforscht. Das Erkennen und Verstehen nachhaltiger Erfolgsfaktoren und der Einfluss von Strategie, Organisation und Innovation auf die betrieblichen Ergebnisse steht im Zentrum meiner Forschung. 

Interaktion mit der Praxis

Austausch Wissenschaft und PraxisAustausch Wissenschaft und PraxisWir bieten interessierten Partnern eine studentische Begleitung bei ihren aktuellen Fragestellungen an. Hierbei erarbeiten Studenten im Rahmen Ihrer Ausbildung für konkrete betriebliche Herausforderungen strategische und organisatorische Analysen und liefern Lösungsvorschläge zur Optimierung. Die Interaktion kann im Rahmen unserer interdisziplinären Seminar oder auch in der Bachelor-Thesis eines Studenten analysiert zu werden. Die Vertraulichkeit der Analyseergebnisse kann verabredet werden. Kommen Sie bei Interesse auf mich zu! marc.dressler@hs-lu.de 

Panel "Strategie und Innovation in der Weinwirtschaft"

Eine mehrjährige Studie (Panel) zur Erfolgsbestimmung in der Weinwirtschaft wurde im Frühjahr 2012 unter der Überschrift "Strategie und Innovation in der Weinwirtschaft" gestartet.  

Die Studie untersucht den Einfluss strategischer Ausrichtung auf Erfolgsdimensionen und soll strategische Handlungsmuster aufzeigen.  Das Panel befindet in der dritten Runde und stellt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus der Befragung 2016. Ausführliche Informationen finden Sie unter der Seite "Strategiepanel".

Forschungsprojekt NAVI "Nachhaltiges Innovations- und Vertriebsmanagement"

Das Projekt dient der Erforschung nachhaltiger Vertriebs- und Innovationsstrategien (Navi) zum Aufbau von Steuerungssystemen, die den Unternehmern in der Weinwirtschaft eine Handlungsbasis für nachhaltige Unternehmensführung bei bewusster strategischer Positionierung, kreativer Vermarktung und adäquatem Innovationsmanagement ermöglicht.

Vier Fallstudien bilden den Kern zur Erarbeitung eines multivariaDas Forschungsteam BWL am Weincampus NeustadtDas Forschungsteam BWL am Weincampus Neustadtten Modells. Das Modell mit seinen Variablen und den generierten Hypothesen zu deren Abhängigkeiten und Kausalitäten wird über eine repräsentative Befragung sowie eine webbasierte Analyse der Anbieterlandschaft getestet und validiert. Als Ergebnis wird unter anderem eine Balanced Scorecard erarbeitet. Dies ist ein Instrument zur Messung, Dokumentation und Steuerung von Aktivitäten eines Unternehmens bzw. einer Organisation im Hinblick auf seine Vision und Strategie insbesondere bei der parallelen Verfolgung unterschiedlicher und teilweise auch konfliktärer Ziele, was ein Kennzeichen nachhaltigen Handelns ist.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Forschung an Fachhochschulen mit Unternehmen (FHprofUnt)“ gefördert.

Empirische Analyse  der Erfolgsdimensionen von Weinführerbewertungen

Produktqualität beeinflusst den Preis und damit die Ergebnisse der Weinbaubetriebe. Da Wein ein Erfahrungsgut ist, der Konsument über geringere Kompetenz als der Anbieter verfügt (Informationsasymmetrie) und zudem saisonale, vegetationsbedingte Schwankungen die Produkte beeinflussen, ist eine objektive Qualitätsbeurteilung der Konsumenten aber stark eingeschränkt. Die sich ergebende Unsicherheit der Weinkonsumenten mündet in einer Substitution funktioneller und objektiver Kriterien durch Ästhetik, Status, Preis, Geschmack und Marke. Die Reputation des Winzers spielt bei der Reduktion der Unsicherheit für den Verbraucher eine maßgebliche Rolle.

 Anhand einer empirischen Analyse deutscher Weingüter wurden Reputationseffekte anhand von Regressionsanalysen untersucht. Die statistische Analyse basiert auf einer Datenbank mit 826 Weingütern, 6.229 Qualitätsbeurteilungen und 4.713 Preisen. Die Population umfasst somit mehr als 10% der deutschen Weinbaubetriebe mit Direktvermarktung und mehr als 20% der gesamten deutschen Weinproduktion.

Managemententscheidungen beeinflussen die Reputation und damit die Leistungsergebnisse mit einer Vielzahl von Parametern wie beispielsweise Positionierung im Wettbewerb, Organisation, Marke, Region und Wertschöpfungstiefe. Diese wissenschaftliche Analyse untermauert, dass regionale Reputation ein wichtiger Einflussfaktor ist, zum einen als kollektive Reputation, zum anderen als einzelbetriebliche Qualitätsdeterminante. Die Größe einer Region sowie die eines Weinguts bestimmen den Erfolg nicht signifikant. Reputation erfordert damit weder ein Minimum noch ein Maximum an Betriebsgröße. Die Zugehörigkeit zu strategischen Allianzen zeigt den bedeutendsten Effekt bei der Reputation. Weingüter können entsprechend über strategische Entscheidungen und begleitende, managerinitiierte Aktivitäten Reputation erzeugen und schärfen.

Multivariate Analyse zu Erfolgsfaktoren im Export und Leistungsfähigkeit deutscher Anbieter der Weinwirtschaft

Export ist in der Praxis und in der Wissenschaft sehr bedeutsam. Als strategische Option eröffnet Export Absatz- und Gewinnsteigerungspotenzial, insbesondere bei stagnierenden Heimatmärkten aber wachsenden Auslandsmärkten. Deutschland hat zwar die globale Pole Position als Exportweltmeister an China abgetreten, die deutsche Wirtschaft profitiert mit über 800 Mrd. € Exportleistung und weiterhin ständigem Exportüberschuss maßgeblich von grenzüberschreitender Nachfrage. Die Weinwelt ist sehr global. 40% der globalen Weinproduktion werden exportiert. Dies entspricht einem Warenwert von über 25 Mrd. Euro. Der globale Weinhandel hat seit 2000 um über 60% im Volumen und über 80% im Wert zugenommen. Über eine internationale Befragung wurde analysiert, ob für die Weinwirtschaft die für andere Industrien erkannten Erfolgsfaktoren gelten und wie leistungsfähig die deutschen Anbieter im internationalen Umfeld eingeschätzt werden.

Ein theoriegeleitetes Strukturmodell mit vier Erfolgsfaktoren bildete die Basis für die Befragung. Die vier Erfolgsfaktoren aus der Literatur wurden mit 27 weinbranchenspezifischen Ausprägungen über eine online Expertenbefragung untersucht. Über 800 ausländische Weinexperten wurden zur Teilnahme an der Studie eingeladen, die Rücklaufquote betrug 5%.

Alle vier Erfolgsfaktoren sind aus Sicht der befragten Experten auch für Export in der Weinwirtschaft relevant. Den deutschen Weinanbietern wird für die Erfolgsfaktoren eine hohe Leistungsfähigkeit bescheinigt. Diese positive Resonanz reflektiert die gesteigerte Qualitätswahrnehmung deutscher Weine. Ein umfassendes, holistisches und nachhaltiges Management ist für erfolgreichen Weinexport unabdingbar. Neben einer proaktiven Vorbereitung  der Marktaktivitäten ist eine strategische Umsetzung mit unternehmerischem Engagement notwendig. Zudem sollten die Unternehmer die leistungsfähige Exportunterstützung nutzen.

Die Übererfüllung der wissensbasierten Erfolgsfaktoren bestätigt Ergebnisse der globalen Kultur- und Verhaltensforschung. Eine regelmäßige Neuausrichtung der Ressourcen bezüglich Strategie und Exportbereitschaft (Commitment) sollte angestrebt werden. Die durch die Befragung erkennbaren Lücken deutscher Anbieter (beispielsweise bei Marke, Strategie, Storyline) können durch die Fragmentierung und geringere Betriebsgröße erklärt werden, bedingen aber ein erhöhtes Augenmerk und Engagement der Unternehmer, die im Export aktiv und erfolgreich sein wollen.

Szenarien zur Liberalisierung im Weinanbau

Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt hat die prognostizierbare potentiell rebwürdige Flächen in Rheinland-Pfalz bei Nutzung aktueller Daten und unter Berücksichtigung klimatischer Veränderungen ermittelt. Die Zielsetzung, das weinbaulich maximal geeignete Flächenpotenzial in Rheinland Pfalz zu erkennen und somit ein theoretisches Maximalszenario für Liberalisierungsüberlegungen zu modellieren, wurde über ein Datenmodell mit schrittweisem Ausschluss von nicht geeigneten Flächen umgesetzt. Hierzu wurde ein Flächensimulationsmodell entwickelt und validiert, welches Klimadaten, Simulationsläufe von regionalen Klimamodellen, Geodaten, die automatisierte Liegenschaftskarte und Ist-Messdaten zu Frostschäden zusammenführt. Erst die Integration von Daten aus unterschiedlichen Quellen bei iterativen Simulationsläufen und einer Beurteilung durch ausgewiesene Experten führte zu einer validen Prognosebasis.

Anthropogene, klimatische und pedologische Selektionskriterien wurden berücksichtigt. Basis des Modells bilden die Szenarien WETTREG 2006 A1B-normal und A1B-trocken, die beispielsweise für die Berechnung des lokalen Hugglin Indexes als Indikator für weinbauliche Eignung zugrunde gelegt wurden. Spät- und Winterfrostgefährdung wurde durch räumliche Differenzierung über hochauflösende Geodaten modelliert. Durch eine GIS-basierte Verschneidung mit den Eignungsflächen ergaben sich letztendlich die Potentialflächen für Weinanbau in Rheinland-Pfalz. Die Potentialflächen wurden anschließend nach Aufschlüsselung in Hangneigungsklassen statistisch ausgewertet und in Eignungskarten dargestellt.

Das Modell berechnet ein zusätzlich weinbaulich geeignetes Flächenpotenzial von 135.000 ha. Das rechnerische weinbauliche Gesamtpotenzial aus zusätzlichem Flächenpotenzial und Bestandsrebfläche von 66.000 ha ergibt somit ca. 200.000 ha theoretisch mögliche Gesamtrebfläche in Rheinland-Pfalz. Die Erkenntnisse sind auch unter  Aspekten optimierten Risikomanagements angesichts der zunehmenden Extremwettereinflüsse betrieblich äußerst relevant.

Interdisziplinäre Seminare

Studenten setzen sich im Rahmen des Seminars mit Kundenanforderungen, Trends und Wünschen in der Weinbranche und deren betrieblicher Umsetzung auseinander. Das California Wine Institute hat zum Beispiel eine Analyse der Positionierung kalifornischer Produkte angefragt. Die Studenten waren gefordert, ihre eigene Wahrnehmung strukturiert einzubringen, Marktforschungsergebnisse zu analysieren, Store Checks und weitere Marktbeobachtungen durchzuführen und somit eine Statusbetrachtung sowie Handlungsvorschläge zur Verbesserung der Positionierung zu liefern.

Weitere Themen sind:

  • Beleuchtung der Weinbranche hinsichtlich innovativer Maßnahmen in der Wertschöpfungskette - Fokus aktiver Kunde

  • Weine aus Kalifornien in Deutschland – Penetration und Verbrauchersicht

  • Trends am Beispiel von Geschäftsmodell- und Angebotsveränderungen

  • Planung und Realisierung einer Kundenbefragung für ein Weingut

  • Celebrity Wines: was verbirgt sich in den Flaschen der Stars?

  • Neue Geschäftsmodelle in der Weinwirtschaft

  • Kundenmanagement – Evaluation der aktiven und passiven Kunden und Maßnahmen zur (Re-)aktivierung

  • Die Weinbranche in 2050 – Perspektiven und Visionen

Fallstudien

Fallstudien bieten eine besonders praxisnahen Forschungsansatz. Integrativ mit dem DWI wurde beispielsweise eine Winzergenossenschaft bei der Priorisierung Ihrer Exportüberlegungen beraten. Das studentische Team lieferte Informationen zu den gewünschten Zielländern, bereitete diese vergleichend auf und hat neben einer begründeten Auswahl des präferierten Ziellands eine konkrete Markteintrittsstrategie erarbeitet.

Weitere beispielhafte Fallstudien sind:

  • Analyse der skandinavischen Länder und Luxemburg für perspektivischen Absatz deutscher Weine

  • Fallstudienanalyse Yellowtail

  • Fallstudienanalyse eines Export Joint Ventures für australischen Weinabsatz in den USA

  • Vertriebsmanagement eines Weinguts mit historischen Wurzeln


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